Zeitreisen
Ich habe kürzlich den Roman “Die Zeitmaschine” von H. G. Wells, aus dem Jahre 1895 gelesen. Das Thema Zeitreisen ist in der Science-Fiction Literatur und im Science-Fiction Film recht populär und mir ist beim Lesen aufgefallen, dass die einzelnen Werke recht unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie solche Reisen durch die Zeit charakterisiert sind.
Mein persönliches Interesse für das Thema startete ganz klar mit den Filmen “Zurück in die Zukunft”. Ich war noch realtiv jung, als die Teile zwei und drei in die deutschen Kinos kamen und die Möglichkeit, dass Veränderungen in der Vergangenheit die Gegenwart beeinflussen konnte, machte mir damals schon ziemliche Angst. Mehr als die meisten anderen Horrorfilme zumindest. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Trilogie zu meinen absoluten Lieblingsfilmen gehört.
Diese Klasse der Werke, zu der auch beispielsweise “Der Butterfly Effect”, gehört, sind von der Dramaturgik her sicherlich die überzeugendsten. Es kommt unglaubliche Spannung auf, wenn es darum geht, die Vergangenheit so gerade zu rücken, dass in der Gegenwart immer wieder alles normal ist. Kleinste Fehler könnten ein riesiges Chaos auslösen. Die Zeitreisen selber sind als Sprünge über Zeitspannen hinweg in eine andere Zeit realisiert.
Eine andere Klasse verfolgt eine für mich viel interessantere Theorie. Bei Douglas Adams’ “Per Anhalter ins All”, oder auch bei “Harry Potter” zum Beispiel, kann man mit Zeitreisen selber eigentlich nichts verändern. Wenn man aus der realen Gegenwart in die Vergangenheit fährt und dort etwas verändert, so war diese Veränderung auch schon in der realen Vergangenheit passiert und hatte somit Auswirkungen auf die reale Gegenwart. Kein Problem alles, also.
In “Die Zeitmaschine” wird die Zeitreise als Bewegung auf der Achse der vierten Dimension gesehen, also schon eine Spur wissenschaftlicher. Der Raum in dem wir uns befinden ist dreidimensional, hinzu kommt also noch die Zeit. Wenn man sich im Raum fortbewegen will, so kann man dies nur stetig, man kann also nichts überspringen. Wenn jemand beispielsweise von Punkt A nach Punkt B geht, und man eine Linie des Weges nachzeichnen würde, so ist diese Linie zwischen A und B nicht unterbrochen. Genauso handhabt Wells es mit der Zeit. Um ins Jahre 802701 zu gelangen, muss der Zeitreisende alle Zeiten von jetzt bis dahin durchwandern. Es kommt mir aber so vor, als ob man sich bei Wells nicht selber in verschiedenen Zeiten begegnen kann. Das klingt zwar im ersten Moment plausibel, ist aber für mich ein klarer Denkfehler. Man existiert in der vierdimensionalen Raumzeit nämlich nicht als Punkt, sondern als Linie. Also eindimensional. Wenn alles nur als Punkt existieren würde, hätte das zur Folge, dass es eine fünfte Dimension geben müsse.
Auf den ersten Blick scheinen die ganzen Theorien super cool, man darf sich nur eben nicht tiefergehend damit beschäftigen, wenn man Zeitreisenfilme und -bücher in Ruhe genießen will. Es ist eben der künstlerische Bonus nicht alles so darstellen zu müssen, wie es in Wirklichkeit ist. In Wirklichkeit ist nämlich alles ziemlich langweilig.
Zeitreisen in die Zukunft sind möglich und alltäglich, wenn man den Begriff des Zeitreisen ein wenig dehnt. Laut der Relativitätstheorie besitzt alles exisitierende eine eigene Zeit. Wie schnell, oder wie langsam diese Zeit vergeht hängt davon ab, wie schnell man sich im Raum bewegt. Je schneller man sich bewegt, desto langsamer verläuft die Zeit. Wenn ich mich also (für den menschen unmöglich) ausreichend schnell bewege, alter ich dabei weniger als alles andere.
Zeitreisen in die Vergangenheit sind dagegen nicht möglich. Sie verstoßen gegen die allseits bekannte und allseits unverstandene Gleichung e=mc². Die Theorien von Wurmlöchern und Tachyonen erspar ich dem gelangweilten Leser an dieser Stelle mal.
Mein Fazit? Es gibt keins. Ich find es nur interessant.